
DNN 12.12.07
"Mimische Weihnachtsgeschenke en gros"
Der Weihnachtsmuffel bekommt Besuch, ganz gegen seinen Willen. Denn Weihnachten bedeutet für den überzeugten Single zunächst einmal jede Menge Stress. Außerdem leidet das Fernsehprogramm unter der Melancholie der Weihnacht. "Weihnachten im Fernsehen - das bedeutet vier Tage ohne Sport", wehklagt er. Und versucht nun, in seiner Singlebude aus dieser Zeit das möglichst Beste zu machen. Gleichwohl weiß er aber auch, dass er um gewisse familiäre Pflichten nicht herumkommt. Denn bei allen positiven Seiten des Singledaseins: Geschenke sind eben auch nicht zu verachten. Ergo lädt er die Tante - eine Cellistin - und den etwas hinfälligen Opa in sein bescheidenes Heim ein. Dort spendiert er eine Flasche preiswerten Weins und schiebt eine Ente in die Röhre. "Der Brüller unterm Weihnachtsbaum" hat Pantomime Ralf Herzog sein vorweihnachtliches Soloprogramm genannt, das am Sonntagabend im Mimenstudio Premiere feierte. Die Bühne war in eine typisch triste Single-Wohnstube verwandelt worden. Die Weihnachtsuffizien wie Glitzergirlanden und beleuchteter Baum hatte der Mime versteckt und zauberte sie - je nach Situation - hervor. Ein ausgestopfter Plüschtiger versperrte den Weg von Singlestube zur Singleküche und war natürlich dem zeitlosen Silvester-Gag "Dinner für one" nachempfunden. Keine Frage: Ralf Herzog verstand es, wunderbar zu stolpern. Und hatte auch das Gespür dafür, die Stolperei nicht endlos auszudehnen. Mit dem Titel "Brüller" sollte man das neue Programm allerdings doch nicht überschreiben. Es sei denn, in Herzogs Absicht lag es, eine verbale Alternative zur "stummen Kunst" zu karikieren. Doch das Programm lebte - wie sollte es auch anders sein - vor allem davon, wie Ralf Herzog es verstand, das mit Superlativen überhäufte Weihnachtsfest in all seiner vordergründigen Falschheit und Oberflächlichkeit satirisch bloßzustellen.
Das gelingt ihm auch; vor allem dann, wenn er den Weihnachtsmarkt mit seinem dichten Gedränge besucht, oder wenn er die Tante und den Opa bewirtet, ihnen - natürlich - ein bescheidenes Geschenk macht und selbst angespannt danach jiepert, was er denn nun im Gegenzug bekommt. Selbstredend geht vieles schief. So ist etwa die Ente im Ofen verkohlt, und er hat als Alternative nur noch Chips anzubieten. Tante und Opa flüchten schon bald mit ihren Geschenken. Sie mit dem Parfüm, er mit einem Gebiss. Und schon ist der Single wieder allein. Aus dem besinnlichen Weihnachtslied "Ihr Kinderlein kommet" wird nach und nach eine fröhlich fetzige Blasmusik. Die Welt wird endlich wieder normal. Dass Ralf Herzog sein Programm dazu nutzt, seine bekannten Zurufpantomimen zu präsentieren, kann und sollte man ihm nicht übel nehmen. Denn das Publikum wartet gerade darauf.
W. Zimmermann

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